Was sind Gedächtnissprechstunden?


Hier kommen Sie direkt zu den Kontaktdaten der Gedächtnissprechstunden in Baden-Württemberg!


Gedächtnissprechstunden – Der kürzeste Weg zu differenzierter Diagnostik und zeitgemäßer Therapie

Unter Gedächtnissprechstunden (oder Memory-Kliniken) versteht man Einrichtungen, die sich auf Frühdiagnostik, Therapie und Beratung von Demenz-Patienten spezialisiert haben.

Den meisten Einrichtungen gemeinsam ist ihr Angebot einer spezialisierten und raschen Diagnostik bei Demenzverdacht. In der Regel arbeiten Fachleute unterschiedlicher Ausrichtungen unter einem Dach zusammen:

  • Ärzte – vorzugsweise der Fachrichtungen Neurologie, Psychiatrie und Innere Medizin – die die Patienten untersuchen und sich mit der Diagnosefindung und Behandlung beschäftigen.
  • Psychologen, die Tests zur Beurteilung der geistigen Leistungsfähigkeit durchführen und ggf. Trainingsprogramme anbieten.
  • Sozialpädagogen, die u.a. über die Pflegeversicherung beraten, beim Umgang mit Behörden und Krankenkassen unterstützen, über Finanz- und Rechtsfragen beraten.

Hervorzuheben ist, dass die Gedächtnissprechstunden über den aktuellsten Wissensstand zu Diagnostik und Therapie von Demenzerkrankungen verfügen. Meistens sind auch Diagnoseverfahren (z.B. spezielle Laboruntersuchungen oder spezielle bildgebende Methoden) verfügbar, die beim Hausarzt oder Nervenarzt alleine nicht angewendet werden können. So kann in vielen Fällen die Diagnose in einer Gedächtnissprechstunde rascher gestellt werden und Mehrfachvorstellungen in unterschiedlichen Kliniken oder Praxen werden vermieden. In manchen Zentren kann die gesamte erforderliche Diagnostik an einem Tag durchgeführt werden. Eine umfassende (wenngleich nicht bei jedem Patienten erforderliche) Diagnostik umfasst folgende Bestandteile:

  • Ausführliche Befragung von Patienten und Angehörigen über die Entwicklung und die Begleitumstände der Beschwerden
  • Psychologische Tests zum genauen Erfassen von Schwächen der geistigen Leistungsfähigkeit
  • Bildgebende Darstellung des Gehirns (Computertomografie oder Kernspintomografie)
  • Körperliche Untersuchung
  • Blutuntersuchungen
  • Ggf. Ultraschalluntersuchung der Hirngefäße, Elektroenzephalografie (EEG) und Untersuchungen des Hirnwassers (Liquor)

Zudem bieten manche Gedächtnissprechstunden auch Behandlungen an (wie Arzneimittel, Psychotherapie, kognitives Training, Gesprächsgruppen, Ergotherapie). In jedem Fall werden Patienten und Angehörige kompetent beraten.

Sinnvoll ist es, den behandelnden Hausarzt oder Nervenarzt um eine Empfehlung zu bitten. Vielleicht hat er schon mit einer bestimmten Gedächtnissprechstunde gute Erfahrungen gemacht und kann einen raschen Termin vermitteln. Die Kosten des Besuchs bei einer Gedächtnissprechstunde werden in der Regel von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Aber auch hier gibt es unterschiedliche Modelle von Finanzierung und Überweisung. Im Zweifelsfall kann ein Anruf bei der jeweiligen Einrichtung Klarheit bringen.

Text: Dr. med. Rainer Zerfaß, Neuropsychiater und Psychotherapeut, Ettlingen

Mehr sehen?!