Rückblick: Fachtag "Unterstützungsangebote im Alltag neu denken – die Zukunft Sorgender Gemeinschaften"

Wie kann ein gutes Leben im Alter gelingen, wenn Familien kleiner, soziale Netze dünner und Alltagsherausforderungen größer werden? Diese Frage bewegte die rund 150 Teilnehmenden des Fachtags "Unterstützungsangebote im Alltag neu denken – die Zukunft Sorgender Gemeinschaften", der am 5. November 2025 in Stuttgart im Großen Kursaal Bad Cannstatt stattgefunden hat. Eingeladen hatten die Fachstelle Unterstützungsangebote und die Alzheimer Gesellschaft Baden-Württemberg e.V. – mit dem Ziel, gemeinsam über die Zukunft Sorgender Gemeinschaften und neue Formen des Miteinanders nachzudenken. 

Zu Beginn richtete Sozialminister Manne Lucha ein digitales Grußwort an die Teilnehmenden und betonte die Bedeutsamkeit von Unterstützungsangeboten im Alltag – insbesondere mit Blick auf Sorgende Gemeinschaften. 

Bereits in der Keynote "Sorgende Gemeinschaften – Gelebte Solidarität für eine gelingende Zukunft" von Frau Prof. Dr. Cornelia Kricheldorff wurde deutlich: „Es gibt immer weniger Unterstützungspotentiale im Alltag. Die Potentiale in Familien und im sozialen Nahraum nehmen deutlich ab.“ Was bleibt, ist die gemeinsame Verantwortung, neue Wege der Sorge füreinander zu finden. 

Sorgende Gemeinschaften entstehen dort, wo Menschen sich zugehörig fühlen, beschreibt Prof. Cornelia Kricheldorff und macht deutlich, dass Bereitschaft und Verantwortung nur dort wachsen, wo Menschen sich gesehen und eingebunden fühlen. 

Danach folgte eine Podiumsdiskussion zum Thema "Sorgende Gemeinschaften stärken, weiterentwickeln und in die Zukunft führen", bei der Vertreter*innen aus der Sozialplanung und Akteur*innen aus Unterstützungsangeboten im Alltag darüber diskutierten, welche Herausforderungen, Ressourcen und Momente des Gelingens ihnen in ihrer Arbeit begegnen. 

An verschiedenen Themeninseln tauschten sich die Teilnehmenden über vielfältige Ansätze aus – von generationenübergreifenden Nachbarschaftsprojekten über lokale Unterstützungsnetzwerke bis hin zu innovativen, auch digitalen Angeboten, die Engagement sichtbar machen. Der lebhafte Austausch zeigte eindrucksvoll, dass Selbstsorge, Mitverantwortung und alternative Versorgungsformen längst mehr sind als Schlagworte: Sie werden von engagierten Akteur*innen in vielen Regionen bereits aktiv gelebt. 

Ein Beispiel dafür ist das Projekt DemenzBotschafter*in Baden-Württemberg, das seit 2024 bei der Alzheimer-Gesellschaft Baden-Württemberg verortet ist. Engagierte DemenzBotschafter*innen bringen sich in ihrem persönlichen, beruflichen oder ehrenamtlichen Umfeld ein. Sie sprechen über das Leben mit Demenz, sind Ansprechpartner*innen und tragen dazu bei, dass immer mehr Menschen verstehen, was Menschen mit Demenz und ihre An- und Zugehörigen brauchen und sich wünschen. So tragen sie das Thema in bestehende Strukturen hinein und setzen Impulse für neue Angebote und Netzwerke – ganz im Sinne einer Sorgenden Gemeinschaft im Kleinen. 

Es wurde aber auch deutlich: Damit solche Initiativen – insbesondere die mit ehrenamtlicher Beteiligung – langfristig tragen, braucht es Strukturen, die Engagement fördern. "Die Zukunft Sorgender Gemeinschaften braucht ermöglichende Strukturen, die von der Lokal- und Landespolitik ernst genommen und gefördert werden müssen", so Prof. Cornelia Kricheldorff. 

Der Fachtag endete mit viel Energie und neuen Impulsen – aber auch mit der Erkenntnis, dass Sorgende Gemeinschaften kein fertiges Konzept sind, sondern eine gemeinsame Vision, an der es gilt, zusammen weiterzuarbeiten. 

Die Fachstelle Unterstützungsangebote und die Alzheimer Gesellschaft Baden-Württemberg werden die Impulse des Fachtags aufgreifen und den Dialog mit Kommunen, Trägern und Engagierten weiter fortsetzen. Denn die Zukunft Sorgender Gemeinschaften beginnt dort, wo Menschen anfangen, Verantwortung füreinander zu übernehmen – und wenn Politik und Gesellschaft die Rahmenbedingungen dafür schaffen. So wünschen sich die Teilnehmenden für die Zukunft "mehr gesellschaftliches Miteinander und mehr füreinander da zu sein".