Immer noch eine Ausschlussdiagnose!

Demenzerkrankungen werden meist erst dann diagnostiziert, wenn bereits ein Großteil der zerstörerischen Prozesse im Gehirn abgelaufen ist. Ganz wichtig ist daher eine möglichst frühzeitige und klare Diagnose, die heute zu Lebzeiten mit 95-98%iger Sicherheit gestellt werden kann.

Gänzliche Klarheit gibt es beim heutigen Stand der Forschung aber erst nach dem Tod.

Wie wird eine Demenz eindeutig festgestellt?

Eine Demenzerkrankung kann heute relativ früh und nahezu eindeutig diagnostiziert werden. Das bietet Betroffenen und Angehörigen die Chance, sich möglichst früh mit der Erkrankung und ihren Folgen auseinanderzusetzen. Eine klare Diagnose und gute Information vorausgesetzt, können Angehörige und zum Teil auch Betroffene bewusst und aktiv mit der Erkrankung umgehen und ihre Zukunft planen.

1. Diagnose einer Demenz

Die Diagnose wird vom Facharzt, d.h. vom Neurologen bzw. Psychiater gestellt. Auch ein geschulter Hausarzt kann selbstverständlich diagnostische Aussagen treffen, aber er verfügt in der Regel nicht über die evtl. erforderlichen Apparate (z.B. bildgebende Untersuchungen wie Computertomographie).

Der Arzt führt zunächst ein Gespräch mit dem Patienten und stellt anhand zusätzlicher Tests fest, ob eine Beeinträchtigung der geistigen Leistungsfähigkeit vorliegt.

Der Arzt sollte unbedingt auch mit den Angehörigen sprechen, da sie den Betroffenen meist am besten kennen. Außerdem stellen Menschen mit Demenz sich und ihre Fähigkeiten nach außen hin oft verblüffend anders dar, als es zu Hause der Fall ist. Angehörige sollten von daher auf jeden Fall den Kontakt zum untersuchenden und behandelnden Arzt suchen, allerdings größten Wert auf ein taktvolles Vorgehen legen. Auch ein fortgeschritten demenziell erkrankter Mensch nimmt Abwertung, Ungeduld und Ärger sehr wohl wahr!

Zur Diagnose einer Demenz müssen zusätzlich zu einer Störung des Gedächtnisses weitere Beeinträchtigungen der geistigen Leistungsfähigkeit aus einem oder mehreren Bereichen vorliegen, die eine nachlassende Bewältigung des Alltags bedingen:

  • Sprache
  • Handeln
  • Erkennen
  • Planen, Organisieren, Einhalten einer Reihenfolge, Abstrahieren

In der Regel werden standardisierte Testverfahren eingesetzt, um vorhandene Defizite möglichst genau zu erfassen.

2. Diagnose der Alzheimer Demenz

Bis heute geschieht die Differenzierung der Demenzdiagnose über eine Ausschlussdiagnose, d.h. vergleichbare Erkrankungen müssen ausgeschlossen werden. Das muss schon deswegen sein, weil ein Teil der Demenzerkrankungen – leider eben nicht die Alzheimer Demenz – doch ursächlich behandelbar bzw. heilbar ist.

Typisch für eine Alzheimer Demenz sind folgende Merkmale:

  • schleichender Beginn und langsame Verschlechterung der geistigen Fähigkeiten
  • keine körperlichen Beschwerden in den ersten Krankheitsjahren
  • Gedächtniseinbußen als auffälligste Störung der geistigen Funktionen

Zur exakten Diagnose gehören folgende Elemente:

  • Persönliches Gespräch und Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte)
  • kognitive Tests
  • körperliche Untersuchung inkl. Labor
  • bildgebende Verfahren

Letzte Gewissheit ergibt sich allerdings erst nach dem Tod durch die mikroskopische Beurteilung der Hirnveränderungen.

3. Berücksichtigung der individuellen Persönlichkeit und Biographie

Jeder an einer Demenz erkrankte Mensch ist ein Individuum und sollte als solches auch erkannt und behandelt werden. Menschen mit einer Demenz haben Probleme und Defizite, aber auch Fähigkeiten und Ressourcen. Insofern sollte eine gute, umfassende Diagnose auch z.B. die folgenden Aspekte mit einbeziehen:

  • Unruhezustände
  • Antriebsarmut
  • Aggressivität, Feindseligkeit
  • Störungen des Tag-Nacht-Rhythmus
  • depressive Verstimmungen
  • wahnhafte Überzeugungen und Sinnestäuschungen
  • biographische Besonderheiten
  • soziale und kommunikative Fähigkeiten
  • praktische Fertigkeiten