Welt-Alzheimertag 2018: Ein Blick ins Land

Der Welt-Alzheimertag am 21. September 2018 ist Anlass für einen Blick ins Land: Wie geht es Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen in Baden-Württemberg im Jahr 2018? Bekommen sie die Information, Unterstützung und Entlastung, die sie brauchen?

Kommunale Herausforderung
Nach einer Demenzdiagnose müssen Alltag und Zukunft neu geplant werden. Je sensibler und informierter die Menschen im persönlichen Umfeld reagieren und je mehr Angebote es gibt, bei denen Menschen trotz und mit ihrer Erkrankung willkommen sind, desto länger können Menschen mit Demenz – entsprechend dem diesjährigen Motto des Welt-Alzheimertags – dabei und mittendrin bleiben.

Es gibt viele gute Ansätze für Teilhabe und Miteinander in Baden-Württemberg, allerdings noch lange nicht überall. Hier sind ganz besonders die Kommunen aufgefordert, Angebote anzustoßen und zu fördern und demenzaktiv(er) zu werden. Das Projekt Demenz und Kommune der Alzheimer Gesellschaft Baden-Württemberg unterstützt sie dabei.

Wachsender Beratungsbedarf
Die fortschreitende Erkrankung betrifft immer stärker nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch die pflegenden Angehörigen. Sie sind oft rund um die Uhr und bis an die Grenzen ihrer Kräfte gefordert und stehen vor immer neuen Herausforderungen. Die Beratungsstellen und Anbieter von Hilfe und Unterstützung registrieren einen kontinuierlichen Anstieg der Anfragen und Aufgaben. Im Vordergrund stehen dabei Fragen zum Krankheitsverlauf, zum Umgang, zur Alltagsgestaltung und zur häuslichen Pflege.

Die Alzheimer Gesellschaft Baden-Württemberg ist hier der zentrale, auf das Thema Demenz spezialisierte Ansprechpartner und berät in erster Linie Angehörige, aber auch Betroffene selbst sowie Ehrenamtliche und auch Fachkräfte.

Alarmierender Mangel an Entlastungsangeboten
Immer häufiger stößt die Beratung dort an ihre Grenzen, wo Angehörige dringend Entlastung brauchen, sie aber nicht (mehr) finden: Landesweit gibt es immer weniger freie Plätze in der Kurzzeit- und Tagespflege, und die Kapazitäten der Pflegedienste reichen weder im Bereich der Pflege noch bei den haushaltsnahen Dienstleistungen zur Entlastung der Angehörigen aus. Pflegende Angehörige finden immer häufiger gerade in den Städten, aber zunehmend auch in den ländlichen Regionen weder eine Unterstützung in akuten Notfällen, noch beim Wunsch nach einer kurzen Erholungszeit vom kräftezehrenden Pflegealltag. Selbst die stundenweise Entlastung durch Betreuungsgruppen am Nachmittag oder Häusliche Betreuungsdienste ist vielerorts gefährdet, weil Ehrenamtliche fehlen, ohne die solche niedrigschwelligen und preiswerten Angebote unmöglich wären.

Ist eine Heimunterbringung unumgänglich, wird der Mangel erst recht spürbar: Überall in Baden-Württemberg reduzieren Heime ihr Angebot, weil Pflegekräfte fehlen oder sie in den Ballungszentren keinen bezahlbaren Wohnraum finden. Gerade die Heime, die sich mit einem besseren Personalschlüssel auf den höheren Betreuungsbedarf von Menschen mit Demenz eingestellt hatten, sehen sich zudem mit finanziellen Problemen konfrontiert: Die neue Punktevergabe bei der Einordnung in die fünf Pflegegrade berücksichtigt diesen Betreuungsbedarf von Menschen mit Demenz nicht ausreichend. Einstufungen in höhere, finanziell stärker geförderte Pflegegrade sind praktisch nicht mehr möglich. Alarmierend ist auch, dass Angehörige von Menschen mit Demenz immer häufiger verzweifelt und ratlos davon berichten, dass ihnen ein Heimplatz mit der Begründung gekündigt wurde, eine angemessene Betreuung sei nicht (mehr) möglich. Auch Plätze in der Tagespflege werden so gekündigt oder für Menschen mit Demenz gar nicht erst angeboten.

Angebote auf breiter Front ausbauen
In Baden-Württemberg müssen sowohl Angebote zur Teilhabe als auch Pflege- und Entlastungsangebote für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen deutlicher und schneller als bisher ausgebaut werden. Nur dann können Menschen mit Demenz trotz und mit ihrer Erkrankung so lange wie möglich am Leben teilhaben und später angemessen gepflegt und versorgt werden.

Grußwort

Wir freuen uns über das Grußwort unseres Ministers für Soziales und Integration Manne Lucha zum Welt-Alzheimertag 2018.

Was, wann, wo?

Veranstaltungen rund um die Woche der Demenz und den Welt-Alzheimertag 2018 in Baden-Württemberg finden Sie hier.